RAUM FÜR KULTUR

Offener Brief an OB Dr. Kurz

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Kurz,
sehr geehrter Herr Kulturbürgermeister Grötsch,
sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

mit großem Interesse verfolgen wir die Presseberichte zum Thema Raum für Kultur in Mannheim. Bitte gestatten Sie uns, einige unserer Gedanken, die wir zum Teil schon 2009 in einem Briefwechsel formulierten, vorzutragen:
Derzeit wird u.a. intensiv über einen neuen Spielort für das Oststadt-Theater nachgedacht und viele verschiedene Alternativen werden diskutiert. Wir freuen uns, dass die Stadt Mannheim sich engagieren möchte, um einem Mannheimer Ensemble mit möglicherweise großem finanziellem Aufwand einen neuen Spielort zur Verfügung zu stellen.
Das KulturNetz Mannheim Rhein-Neckar würde es – wie übrigens viele in der Region tätigen Künstler auch – allerdings sehr begrüßen, wenn diese Investition nicht nur einem einzigen Mannheimer Ensemble zugute käme, sondern wenn der neue Veranstaltungsort auch von anderen Künstlern, Künstlergruppen, Kulturinstitutionen und Veranstaltern zu günstigen, städtischen Kultur-Konditionen angemietet werden könnte.
In der Tat ist es so, daß in Mannheims Zentrum seit langem ein geeigneter und bezahlbarer Spielort der Größenordnung „Kahnweilersaal” fehlt. Jener war als städtischer Saal ursprünglich genau dafür gedacht, nämlich vielfältigen Aufführungen und Events Raum zu bieten.
Im Laufe der Jahre wurde eine andere Nutzung als die durch das Oststadt-Theater aber leider immer weniger möglich. Das Oststadt-Theater empfand sich mit der Zeit immer mehr als Hausherr, eine andere Nutzung des Saales war unerwünscht.
Versuche, den Saal für einzelne Veranstaltungen mit verschiedenen Künstlern anzumieten, scheiterten immer wieder.
Das KulturNetz hat in der Vergangenheit etliche Anstrengungen unternommen, alternative Spielorte zu erschließen, leider bislang erfolglos, da entsprechende Räume nicht vorhanden sind. Auch Veranstaltungen beispielsweise im Stadthaus N1 gestalteten sich bisher schwierig und als finanziell nicht tragbar, die Anmietung des Saales in N1 ist sehr teuer, der Saal ist für das genannte Segment eher zu groß und auch von der Ausstattung und dem Ambiente bisher nicht geeignet. Die Feuerwache schließlich war vor etlichen Jahren noch eine Alternative, verfolgt inzwischen jedoch ein eigenes künstlerisches Konzept.
Wir haben also in Mannheim keinen bezahlbaren Spielort, an dem Kleinkunst, Kabarett, Musik oder Theater mit einer Zuschauerzahl von ca. 300 bis 350 Personen stattfinden kann. Ein solcher Raum wäre ein großer Gewinn für die Mannheimer Kulturszene, denn Kultur findet ja nicht nur in Rosengarten- und SAP-Arena-Größenordnung statt.

Dies wird inzwischen auch von etlichen Gemeinderäten so gesehen und befürwortet, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der immer wieder von Kulturschaffenden und Kulturverwaltenden auch auf nationaler und sogar internationaler Ebene vorgetragenen Schelte, was das mangelnde Engagement der Stadt Mannheim für die freie Szene und die kulturelle Vielfalt betrifft. Kulturelle Vielfalt braucht Raum, auch kleinere und vor allem bezahlbarere Räume als die großen Arenen der Unterhaltung.
Ein neuer Spielort für ein einzelnes Ensemble – auch wenn es sich ohne Frage großer Beliebtheit erfreut – kann nicht die Antwort einer Stadt, die sich gerne auf dem Weg zur Kulturhauptstadt sieht, auf breitgefächerte kulturelle Bedürfnisse sein.
Es herrscht ein Ungleichgewicht beim Engagement der Stadt: Die ganz großen Projekte werden beherzt angegangen und da spielen ein paar Millionen mehr oder weniger keine Rolle und die kleineren kulturellen Projekte müssen oft genug aus akutem Geldmangel die Segel streichen, obwohl mitunter im Vergleich nur lächerliche Summen fehlen.

Zum Ausgangspunkt zurück: Wir würden es sehr begrüßen und halten es für die Mannheimer Kulturszene für überaus wichtig, wenn der Saal in N1 oder ggf. ein neu zu schaffender Spielort für verschiedene Veranstaltungen zu erschwinglichen Konditionen zur Verfügung stehen könnte. Ein Spielort, der für Künstler aus der Region sowie für Gastspiele rentabler wäre als die begrenzten Räumlichkeiten des Musik-Kabarett Schatzkistl, aber auch nicht so teuer und groß wie beispielsweise der Rosengarten, würde die Mannheimer Kulturszene beleben und neue Möglichkeiten eröffnen.
Es wäre in diesem Zusammenhang äußerst wünschenswert, wenn durch Schaffung eines entsprechenden Spielorts nicht nur ein einzelnes Mannheimer Ensemble unterstützt würde, sondern wenn entsprechende Aufwendungen dem gesamten Kulturbetrieb zugute kämen, so wie es ursprünglich von seiten der Stadt auch für den Kahnweilersaal einst vorgesehen war.
Eine Verwaltung durch die Stadt erschiene uns in diesem Zusammenhang sehr sinvoll, ebenso wie auch eine neutrale Namensgebung für die neue Spielstätte.
Ein seinerzeit aus dem Ruder gelaufenes Konzept sollte nicht in unveränderter Form ein weiteres Mal probiert werden. Vielmehr sollte man die augenblickliche Chance zu einem Neubeginn mit Raum für vielfältige kulturelle Angebote nutzen.

Wenn gewünscht stehen wir sehr gerne jederzeit für einen Ideenaustausch zur Verfügung, gerne steuern wir Anregungen konstruktiver und inhaltlicher Art bei.

Herzliche Grüße vom KulturNetz


Sabine Frey Bettina Hauck Frank Bürkle

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